Tödliche Absicht: Ein Jack-Reacher-Roman

Tödliche Absicht: Ein Jack-Reacher-Roman

by Lee Child, Wulf Bergner

NOOK BookGerman-language Edition (eBook - German-language Edition)

$11.99

Available on Compatible NOOK Devices and the free NOOK Apps.
WANT A NOOK?  Explore Now
LEND ME® See Details

Overview

Jack Reacher, legendärer Spitzen-Ermittler bei der Militärpolizei, quittierte vor Jahren den Dienst. Seither ist er "abgetaucht", führt ein rastloses Leben als Einzelgänger ohne festen Wohnsitz. Dennoch wird er eines Tages von der ehemaligen Lebensgefährtin seines verstorbenen Bruders aufgespürt. Und sie überrascht ihn mit dem Anliegen, er möge im Auftrag des Secret Service ein Attentat auf den Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten vorbereiten …Jack Reacher greift ein, wenn andere wegschauen, und begeistert so seit Jahren Millionen von Lesern. Lassen Sie sich seine anderen Fälle nicht entgehen. Alle Bücher können unabhängig voneinander gelesen werden.

Product Details

ISBN-13: 9783894808914
Publisher: Blanvalet
Publication date: 08/31/2005
Series: Die-Jack-Reacher-Romane , #6
Sold by: Bookwire
Format: NOOK Book
Pages: 480
File size: 2 MB

About the Author

Lee Child wurde in den englischen Midlands geboren, studierte Jura und arbeitete dann zwanzig Jahre lang beim Fernsehen. 1995 kehrte er der TV-Welt und England den Rücken, zog in die USA und landete bereits mit seinem ersten Jack-Reacher-Thriller einen internationalen Bestseller. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem Anthony Award, dem renommiertesten Preis für Spannungsliteratur.

Hometown:

Birmingham, England

Date of Birth:

1954

Place of Birth:

Coventry, England

Education:

Sheffield University

Read an Excerpt

Sie erfuhren im Juli von ihm und blieben den gesamten August über zornig. Im September versuchten sie, ihn zu ermorden. Aber das war viel zu früh. Sie waren nicht gut genug vorbereitet. Der Anschlag schlug fehl. Das hätte eine Katastrophe sein können, aber tatsächlich war es ein Wunder. Weil niemand etwas bemerkte.
Sie wandten ihre übliche Methode an, um durch den Sicherheitskordon zu gelangen, und gingen dreißig Meter von dem Rednerpult, an dem er unter freiem Himmel sprach, in Stellung. Sie benutzten einen Schalldämpfer und verfehlten ihn nur um Zentimeter. Die Kugel musste genau über seinen Kopf hinweggegangen sein. Vielleicht sogar durch sein Haar, denn er hob gleich danach eine Hand und glättete es, als habe ein Windstoß es zerzaust. Diese Szene sahen sie anschließend immer wieder in der Videoaufzeichnung der Fernsehübertragung: Er hob eine Hand und glättete sein Haar. Mehr tat er nicht. Er setzte ahnungslos seine Rede fort, denn eine Kugel aus einem Gewehr mit Schalldämpfer ist per definitionem zu schnell, um gesehen, und zu leise, um gehört zu werden. Sie verfehlte ihn also und flog weiter. Sie verfehlte alle, die hinter ihm standen. Sie traf auf keinerlei Hindernisse, schlug in kein Gebäude ein. Sie flog unbeirrbar geradeaus weiter, bis ihre Energie aufgezehrt war und sie endlich in der Ferne, wo es nur leeres Grasland gab, von der Schwerkraft zu Boden gezwungen wurde. Es gab kein Echo. Keine Reaktion. Niemand bemerkte etwas. Es war, als sei die Kugel nie abgefeuert worden. Sie schossen kein zweites Mal. Der Schock saß zu tief.
Also: ein Fehlschlag, aber ein Wunder. Und eine Lektion. Sie verbrachten den Oktober damit, sich wie die Profis zu verhalten, die sie waren - sie fingen wieder von vorn an, dachten nach, lernten dazu, bereiteten ihren zweiten Anschlag vor. Dies würde ein besserer sein, sorgfältig geplant und fachgerecht ausgeführt, auf Methodik, Nuancierung und Raffinesse basierend und durch entsetzliche Angst verstärkt. Ein lohnendes Attentat. Und vor allem eines, das nicht fehlschlagen konnte.
Dann kam der November, und die Spielregeln änderten sich grundlegend.

Reachers Tasse war leer, aber noch warm. Er hielt sie leicht schräg und beobachtete, wie der Kaffeesatz auf ihn zufloss: langsam und braun wie Flussschlamm.
»Wann muss es gemacht werden?«, fragte er.
»Möglichst bald«, antwortete sie.
Er nickte. Rutschte aus der Sitznische und stand auf.
»Ich rufe Sie in zehn Tagen an«, sagte er.
»Wie Sie sich entschieden haben?«
Er schüttelte den Kopf. »Nein, um Ihnen zu sagen, wie's gelaufen ist.«
»Ich werde wissen, wie's gelaufen ist.«
»Okay, um Ihnen zu sagen, wohin Sie mein Geld schicken sollen.«
Sie schloss die Augen und lächelte. Er blickte auf sie hinab.
»Dachten Sie, ich würde ablehnen?«, fragte er.
Sie öffnete die Augen. »Nein, aber ich habe befürchtet, Sie würden etwas schwieriger zu überreden sein.«
Er zuckte mit den Schultern. »Wie Joe Ihnen gesagt hat, kann ich keiner Herausforderung widerstehen. In solchen Dingen hat Joe meist Recht gehabt. Er hat in vielen Dingen Recht gehabt.«
»Ich weiß nicht, was ich sagen soll, außer Ihnen zu danken.«
Er schwieg. Wollte gehen, aber sie stand neben ihm auf und hinderte ihn so daran. Jetzt folgte eine verlegene Pause. Sie standen sich einen Augenblick lang gegenüber. Sie streckte ihre Hand aus, und er schüttelte sie. Sie hielt seine Hand ein bisschen zu lange fest, dann reckte sie sich und küsste ihn auf die Wange. Ihre Lippen waren weich. Ihre Berührung durchzuckte ihn wie ein leichter Stromstoß.
»Ein Händedruck ist nicht genug«, meinte sie. »Sie tun uns einen großen Gefallen.« Dann schwieg sie einen Augenblick. » Und Sie wären beinahe mein Schwager geworden.«
Er nickte nur, kam hinter dem Tisch hervor und sah sich noch einmal um. Dann stieg er die Treppe hinauf und trat auf die Straße hinaus. Der Duft ihres Parfüms haftete an seiner Hand. Er ging in die Cabaret Lounge und hinterließ in der Garderobe seinen Freunden eine Notiz. Als er sich danach auf den Weg zum Highway machte, hatte er volle zehn Tage Zeit, um eine Möglichkeit zu finden, den am viertbesten bewachten Menschen auf diesem Planeten zu ermorden.

Begonnen hatte alles acht Stunden zuvor: Teamführerin M. E. Froelich kam an diesem Montagmorgen-dreizehn Tage nach der Wahl, eine Stunde vor der zweiten Strategiebesprechung und sieben Tage, nachdem das Wort Attentat erstmals erwähnt worden war - zum Dienst und traf ihre endgültige Entscheidung. Sie machte sich auf die Suche nach ihrem nächsten Vorgesetzten und traf ihn im Vorzimmer seines Büros an: offenbar irgendwohin unterwegs, offensichtlich in Eile. Er trug einen Ordner unter dem Arm und hatte einen deutlich abweisenden Gesichtsausdruck. Sie holte tief Luft und machte ihm begreiflich, sie müsse sofort mit ihm reden. Dringend. Inoffiziell und natürlich unter vier Augen. Also machte er abrupt kehrt und ging in sein Büro zurück. Er ließ sie an sich vorbei ins Zimmer gehen und schloss die Tür hinter ihr - leise genug, um dieser außerplanmäßigen Besprechung etwas Verschwörerisches zu geben, aber doch nachdrücklich genug, um zu signalisieren, wie sehr ihn diese Unterbrechung seiner gewohnten Routine irritierte. Das Klicken des Schlosses war zugleich eine deutliche Botschaft, die in allen Bürohierarchien der Welt verstanden worden wäre: Ich will nur hoffen, dass Sie mit Ihrem Anliegen nicht meine Zeit vergeuden.
Er war ein Veteran mit über fünfundzwanzig Dienstjahren: längst in der Schlussrunde vor der Pensionierung, schon über Mitte fünfzig, ein Relikt aus der guten alten Zeit. Noch immer groß, ziemlich schlank und sportlich, aber er wurde rasch grau und im Gesicht voller. Er hieß Stuyvesant. Wie der letzte Generalintendant von Neu-Amsterdam, pflegte er zu sagen, wenn jemand ihn nach der Schreibweise fragte. Um zu demonstrieren, dass er mit den Realitäten der modernen Welt vertraut war, fügte er dann hinzu: wie die Zigarette. Er trug nur Anzüge von Brooks Brothers, aber er galt als Mann, der in seiner Taktik flexibel sein konnte. Er hatte noch nie versagt. Niemals, obwohl er seit langem dabei war und überdurchschnittlich viele Schwierigkeiten zu bewältigen gehabt hatte. Aber es hatte keine Misserfolge und auch keine Pechsträhnen gegeben.


Customer Reviews