In letzter Sekunde: Ein Jack-Reacher-Roman

In letzter Sekunde: Ein Jack-Reacher-Roman

by Lee Child, Wulf Bergner

NOOK BookGerman-language Edition (eBook - German-language Edition)

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Overview

Ganz gegen seine Gewohnheit beschließt Jack Reacher, der ehemalige geniale Ermittler der Militärpolizei, in der sengenden Hitze von Texas per Anhalter zu fahren. Tatsächlich stoppt ein weißer Cadillac mit der schönen jungen Carmen Greer am Steuer - die ihn anheuert, ihren Ehemann umzubringen. Doch was sich so perfide anhört, ist eine aus tiefer Verzweiflung geborene Idee. Jacks Interesse - und Mitgefühl - ist geweckt. Er verdingt sich als Hilfsarbeiter auf der Ranch, um Carmen zu beschützen. Mit mäßigem Erfolg, denn der gewalttätige Ehemann wird im gemeinsamen Schlafzimmer erschossen - und die Ereignisse überstürzen sich mit tödlichen Konsequenzen...

Product Details

ISBN-13: 9783641038144
Publisher: Blanvalet
Publication date: 03/11/2010
Series: Die-Jack-Reacher-Romane , #5
Sold by: Bookwire
Format: NOOK Book
Pages: 512
File size: 2 MB

About the Author

Lee Child wurde in den englischen Midlands geboren, studierte Jura und arbeitete dann zwanzig Jahre lang beim Fernsehen. 1995 kehrte er der TV-Welt und England den Rücken, zog in die USA und landete bereits mit seinem ersten Jack-Reacher-Thriller einen internationalen Bestseller. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem Anthony Award, dem renommiertesten Preis für Spannungsliteratur.

Hometown:

Birmingham, England

Date of Birth:

1954

Place of Birth:

Coventry, England

Education:

Sheffield University

Read an Excerpt

Die Beobachter waren zu dritt: zwei Männer und ein Junge. Sie benutzten Teleskope, keine Ferngläser. Das war eine Frage der Entfernung. Wegen des Geländes betrug der Abstand zu ihrem Zielobjekt fast eine Meile. In geringerer Entfernung gab es keine Deckung. Vor ihnen lag niedriges, sanft gewelltes Land, das im Sonnenglast eine Khakifarbe angenommen hatte - Gras, Fels und sandiger Boden gleichermaßen. Die nächste sichere Deckung war die weite Senke, in der sie sich befanden: ein knochentrockenes ehemaliges Flussbett, das vor einer Million Jahren in einem anderen Klima ausgewaschen worden war, in dem es hier noch Regen und Farne und rauschende Flüsse gegeben hatte.
Die Männer lagen ausgestreckt im Staub, spürten die Morgenhitze auf ihrem Rücken und starrten durch ihre Teleskope. Der Junge kroch hinter ihnen auf den Knien umher, holte Wasser aus der Kühlbox, achtete auf Klapperschlangen und hielt Bemerkungen in einer Kladde fest. Sie waren vor Tagesanbruch in einem staubigen Pick-up angekommen, hatten zuvor einen weiten Bogen gemacht und waren von Westen übers unbesiedelte Land geholpert. Sie hatten eine schmutzige Plane über den Wagen geworfen und mit Felsbrocken beschwert. Dann waren sie zum Rand des ehemaligen Flussufers geschlichen, dort in Stellung gegangen und hatten ihre Teleskope auf das Zielobjekt eingestellt, als die Morgensonne im Osten hinter dem fast eine Meile entfernten roten Haus aufging. Heute war Freitag, ihr fünfter Morgen hintereinander, und sie hatten nicht mehr viel Gesprächsstoff.
»Uhrzeit?«, fragte einer der Männer. Seine Stimme klang nasal, weil er ein Auge offen und das andere geschlossen hielt.
Der Junge sah auf seine Uhr.
»Zehn vor sieben«, antwortete er.
»Dann ist's jeden Augenblick so weit«, sagte der Mann.
Der Junge schlug seine Kladde auf und hielt sich bereit, dieselbe Eintragung zu machen, die er schon viermal hineingeschrieben hatte.
»Küchenlicht an«, sagte der Mann.
Das schrieb der Junge auf. 6.50 Uhr, Küchenlicht an. Die Küche lag auf der ihnen zugekehrten Seite des Hauses; da ihr nach Westen hinausführendes Fenster von der Morgensonne abgewandt war, wurde es in der Küche auch nach Sonnenaufgang nicht gleich hell.
»Allein?«, fragte der Junge.
»Genau wie immer«, sagte der zweite Mann blinzelnd.
Dienstmädchen macht Frühstück, notierte der Junge. Zielperson noch im Bett. Die Sonne stieg langsam höher. Sie hievte sich am Himmel hoch und ließ die Schatten kürzer und kürzer werden. Das rote Haus hatte einen hohen Schornstein, der wie der Zeiger einer Sonnenuhr aus dem Dach des Küchenanbaus ragte. Der Schatten, den er warf, beschrieb einen Bogen und wurde kürzer, während die Hitze schwer auf den Schultern der Beobachter lastete. Sieben Uhr morgens, und es war bereits heiß. Um acht würde es glühend, um neun entsetzlich heiß sein. Und sie mussten den ganzen Tag hier ausharren, bis sie abends nach Einbruch der Dunkelheit ungesehen verschwinden konnten.
»Schlafzimmervorhänge aufgezogen«, sagte der zweite Mann. »Sie ist aufgestanden, läuft herum.«
Der Junge schrieb es auf. 7.04 Uhr, Schlafzimmervorhänge offen.
»Jetzt kommt's«, sagte der erste Mann.
Sie hörten die Pumpe anspringen, die Wasser aus dem Brunnen heraufbeförderte - aus fast einer Meile Entfernung eben noch hörbar. Ein kurzes mechanisches Klicken, danach ein leises, tiefes Brummen. »Sie duscht«, sagte der Mann.
Der Junge notierte auch das. 7.06 Uhr, Zielperson beginnt zu duschen.
Die Männer gönnten ihren Augen eine Ruhepause. Solange sie unter der Dusche stand, würde sich nichts ereignen. Wie denn auch? Sie ließen ihre Teleskope sinken und sahen blinzelnd ins grelle Sonnenlicht. Die Wasserpumpe verstummte nach sechs Minuten mit einem erneuten Klicken. Die Stille klang lauter als das schwache Pumpgeräusch zuvor. Der Junge trug ein: 7.12 Uhr, Zielperson hört auf zu duschen. Die Männer hoben wieder ihre Teleskope.
»Sie zieht sich an, glaube ich«, sagte der erste Mann.
Der Junge kicherte. »Kannst du sie nackt sehen?«
Der Platz des zweiten Mannes war gut sechs Meter nach Süden versetzt. Von dort aus konnte er die Rückseite des Hauses mit ihrem Schlafzimmerfenster besser sehen.
»Du bist widerlich«, sagte er. »Weißt du das?«
Der Junge notierte: 7.15 Uhr, vermutlich beim Anziehen. Anschließend: 7.20 Uhr, vermutlich unten, vermutlich beim Frühstück.
»Anschließend geht sie wieder rauf, putzt sich die Zähne«, sagte er.
Der linke Mann verlagerte sein Gewicht von einem auf den anderen Ellbogen.
»Klar doch«, sagte er. »Das sieht der kleinen Zicke ähnlich.«
»Sie zieht wieder ihre Vorhänge zu«, sagte der rechte Mann.
Das war im Westen von Texas im Sommer allgemein üblich, vor allem wenn das Schlafzimmerfenster wie hier nach Süden hinausging. Außer man wollte in der folgenden Nacht in einem Raum schlafen, der heißer als ein Pizzaofen war.
»Achtung!«, sagte der Mann. »Ich wette zehn zu eins, dass sie jetzt in den Pferdestall geht.«
Diese Wette nahm keiner an, denn bisher war sie an vier Morgen viermal in den Stall hinausgegangen, und Beobachter werden dafür bezahlt, dass ihnen solche Verhaltensmuster auffallen.
»Die Küchentür geht auf.«
Der Junge schrieb: 7.27 Uhr, Küchentür wird geöffnet. »Da kommt sie.«
Sie trat in einem schulterfreien, knielangen blauen Baumwollkleid aus dem Haus. Ihr Haar trug sie zu einem Pferdeschwanz gebunden. Es war noch feucht vom Duschen.
»Wie nennt man diese Art Kleidung?«, fragte der Junge.
»Kleid mit Nackenträger«, erwiderte der linke Mann.
7.28 Uhr, kommt in blauem Kleid mit Nackenträger aus dem Haus, geht zur Scheune, notierte der Junge.
Sie überquerte den Hof, machte auf den unebenen Fahrspuren in der sonnenverbrannten Erde kurze, zögerliche Schritte, hatte gut sechzig Meter weit zu gehen. Sie zog mit einiger Anstrengung das Scheunentor auf und verschwand im Dunkel dahinter.
Der Junge schrieb: 7.29 Uhr, Zielperson in der Scheune.
»Wie heiß ist's schon?«, fragte der linke Mann.
»Mindestens fünfunddreißig Grad«, sagte der Junge.
»Dann gibt's bald ein Gewitter. Bei solcher Hitze muss es eins geben.«
»Da kommt ihr Bus«, bemerkte der rechte Mann.
Einige Meilen südlich von ihnen war über der Straße die Staubwolke eines Fahrzeugs zu sehen, das langsam und stetig nach Norden vorankam.
»Sie kommt zurück«, sagte der rechte Mann.
7.32 Uhr, Zielperson kommt aus der Scheune, notierte der
Junge.
»Das Dienstmädchen ist an der Tür«, sagte der Mann.


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